Basisbildung neu denken – ESF-Projekt

Kärntner Bildungswerk Betriebs GmbH
Mag. Andrea Koppitsch
T: 0463/536-57625 | M: andrea.koppitsch@kbw.co.at
Elisabeth Lasser B.A. MA
T: 0660/3703869 | M: elisabeth.lasser@kbw.co.at

Durch Strukturwandel und zunehmende Urbanisierung kommen ländliche Regionen immer mehr ins Hintertreffen. Davon sind auch Bildungsangebote betroffen, vor allem jene im Erwachsenenbildungsbereich und hier im Besonderen Basisbildungsangebote. Durch das innovative Projekt „Basisbildung neu denken“ soll dem entgegengewirkt und Personen mit Basisbildungsbedarf erreicht und aktiviert werden. Die Zielgruppe ist also jene der bildungsbenachteiligten Menschen, die im Laufe ihres Lebens entweder durch Krisen, Umzüge oder Krankheiten, Bildungsabbrüche miterleben mussten. Durch den zugrundeliegenden „Positive Deviance Ansatz“ sollen diese Personen erreicht und motiviert werden, am Basisbildungslehrgang teilzunehmen. Dieser findet unter dem Motto „Von der Zielgruppe, für die Zielgruppe“ im Raum Spittal und Villach statt. Durch einen kompetenzorientierten Zugang, als auch einem offenen Lernortcharakter werden die Angebote stark durch die TeilnehmerInnen mitentwickelt.

Drei Projektpartner arbeiten gemeinsam an der Durchführung des Projektes:

Projektbeschreibung:
Das Kärntner Bildungswerk wird in Kooperation mit den Kärntner Volkshochschulen und dem Verein Bildung und Lernen in aktiver Zusammen- und Vernetzungsarbeit ein vollkommen neuartiges Projekt im Bereich Basisbildung umsetzen. Hierbei werden zunächst „positive deviants“ (positive Abweicher/Ausreißer) ermittelt und aufgrund der Erfahrungen dieser Personen, Lösungen für die Zielgruppe entwickelt. Positive Devianten sind Mitglieder von Gemeinden oder Vereinigungen, die durch positives, abweichendes Verhalten ihr eigenes sowie Verhalten innerhalb von Gemeinschaften zum Positiven verändern können.

Der Ursprung dieses Ansatzes stammt aus den 1960er Jahren aus dem Bereich der Ernährungsforschung und lässt sich mittlerweile in vielen Bereichen umsetzen. Das Neuartige ist allerdings, den Ansatz im Kontext von Basisbildung einzusetzen. Hierzu wird mit den positiven Devianten gemeinsam die Zielgruppe angesprochen und aktiviert. In weiterer Folge werden in offenen Lernlabors Kursangebote im Raum Spittal und Villach abgehalten. Begleitend dazu ist angedacht, mit den Teilnehmenden Kompetenzfeststellungen und Kompetenzberatungen durchzuführen, auf Basis derer Aktionspläne und Perspektivenerweiterungen erarbeitet werden. Letztendlich wird eine Wiedereingliederung in das Erwerbsleben oder in eine weiterbildende Maßnahme für die TeilnehmerInnen angestrebt.


Ziele:
Das innovative Projekt „Basisbildung neu denken“ zielt darauf ab, Personen mit Basisbildungsbedarf im ländlichen Raum zu erreichen und einen Basisbildungslehrgang zu entwickeln, der die Teilnehmenden als ExpertInnen ihrer Lebenswelten wahrnimmt und Bildungsinhalte nach deren Interessenslagen und Bedürfnissen entwickelt und erprobt.


Zielgruppe:
Die Teilnehmenden sind Personen, die Unterstützung in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen, Lernen lernen und IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) benötigen. Basisbildung lässt sich folgendermaßen definieren: „Lesen, Schreiben, mündliche Sprachkompetenz, Zuhören, Verstehen, Rechnen, Umgang mit Daten und Zahlen, mit Maßen und Formen; den Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), erweitert um die Fähigkeit, eigenständig zu lernen und sich Wissen anzueignen; mündliche Kommunikation, Lesen und Schreiben auf Deutsch.“ (Doberer-Bey 2013: 24)

Hierbei handelt es sich um Frauen und Männer, die die Pflichtschule abgeschlossen haben und im erwerbsfähigen Alter sind. Somit ergibt sich die konkrete Zielgruppe von Personen im Alter zwischen 15 bis 65 Jahren.

Ein Beispiel hierfür wäre:
Eine Hausfrau, bereits 6 Jahre nicht im Arbeitsmarkt eingegliedert, 3 Kinder, geringer Selbstwert in Bezug auf beruflich geforderte Kompetenzen, eher wenig ins Sozialleben integriert aufgrund der Betreuungspflichten für die Kinder – ihr Wunsch: eine Teilzeitbeschäftigung und Anschluss an ein Gesellschaftsleben, das zur aktuellen Lebenssituation als Mutter von drei Kindern passt. Durch das Arbeiten an den eigenen Fähigkeiten, wobei sowohl schulische Ausbildung und berufliche Erfahrungen vor der Karenzzeit als auch die erworbenen Kompetenzen durch die Herausforderungen als Mutter und “Familien- und Haushaltsmanagerin” einbezogen werden, bekommt sie ein Bewusstsein für ihre Stärken und Talente. Hier geht es auch darum, nicht formal erworbene Kompetenzen sichtbar zu machen. Dies wirkt motivierend, sich für die Zukunft Ziele zu setzen und Perspektiven zu erarbeiten. Im Aktionsplan, der am Ende des Kompetenzverfahrens entsteht, werden erste Schritte für mögliche Anknüpfungspunkte in das Arbeitsleben, der gesellschaftlichen Teilhabe und/oder bildungsbezogene Perspektiven festgesetzt.

Die Zielgruppe wird einerseits durch den PD-Ansatz erreicht sowie andererseits durch die Zusammenarbeit mit vor Ort ansässigen Vereinen, sozialen Einrichtungen und/oder Gemeinschaften vernetzt.


Projektinhalt:
Arbeitspaket 1: Koordinierender Partner ist die Volkshochschule Kärnten (=Leadpartner des Gesamtprojekts) mit dem Arbeitsschwerpunkt „Positive Deviance als Methode zur Erreichung von Zielgruppen, die üblicherweise nicht erreicht werden können“. Die Durchführung der Kurse wird in gemischten Gruppen in Villach und Villach-Land stattfinden.
Arbeitspaket 2: Der Verein Bildung und Lernen mit Sitz in Villach koordiniert den Arbeitsbereich „Offenes Lernlabor – Entwicklung Basisbildungskurs“ und wird Frauenkurse in Spittal Umgebung durchführen.
Arbeitspaket 3: Die Koordination des dritten Arbeitspakets übernimmt das Kärntner Bildungswerk- „Kompetenzen feststellen – Kompetenzen nutzen und Perspektiven erweitern“. Kurse des Kärntner Bildungswerks werden in gemischten Gruppen in Spittal stattfinden.

Das Projekt gliedert sich demnach in drei Arbeitsbereiche, wobei jeweils eine Institution die Hauptverantwortung für das Arbeitspaket und die Koordination über dieses hat. Jedoch wird an allen notwendigen Schritten gemeinsam gearbeitet und in regelmäßigen Treffen der Austausch gepflegt.


Nach Ablauf der Programmperiode:

  • wird eine Vorlage zur Zielgruppenerreichung etabliert sein.
  • hat sich ein Lehrgang, der die Lebenswelten der TeilnehmerInnen mit einbezieht, entwickelt.
  • sind die Perspektiven und die Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Teilnehmenden erweitert und gestärkt, wodurch ein weiterführendes Bildungsangebot bzw. die Eingliederung in den Arbeitsmarkt in Anspruch genommen werden können.
  • ist ein Curriculum für einen Basisbildungslehrgang angefertigt, der Grundlage für weitere Basisbildungsangebote sein kann.


Projektlaufzeit
: 01.01.2019 – 31.12.2021

Literatur:
Doberer-Bey, Antje (2013): Sonst hat man ja nichts, wenn man nix lesen kann. Alphabetisierung und Basisbildung mit Erwachsenen. Wien.

Gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung

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