EuropaWirkt! Im Dialog. Im Ehrenamt. Im Leben.
Das Projekt „EuropaWirkt! Werte im Wortwechsel“ des Kärntner Bildungswerks zeigt, wie Ehrenamt Demokratie stärkt: Engagierte machen europäische Werte wie Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit sichtbar und schaffen Räume für Dialog und Begegnung.

Das Projekt „EuropaWirkt! – Werte im Wortwechsel“ verfolgt das Ziel, europäische Werte gemeinsam mit regionalen Akteur:innen sichtbar zu machen und das demokratische Bewusstsein im ländlichen Raum zu stärken. Es setzt auf Niederschwelligkeit, Perspektivenvielfalt sowie die aktive Rolle lokal verankerter Multiplikator:innen, um die Bereitschaft zum Engagement sowie das europäische Bewusstsein langfristig zu stärken und knüpft dabei an die lange Tradition des ehrenamtlichen Engagements an, die auch die Geschichte des Kärntner Bildungswerks prägt.
Das Kärntner Bildungswerk wurde 20 Monate nach Kriegsende gegründet und setzte sich zum Ziel, Gemeinschaft zu stärken, lebenslanges Lernen zu ermöglichen und ein lebenswertes Umfeld zu fördern. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung, kriegerischer Konflikte, Migration und der Klimakrise gewinnen Räume für Begegnung und Austausch heute immer mehr an Bedeutung. Gerade dort, wo Gesellschaften auseinanderzudriften drohen und Solidarität zunehmend hinterfragt wird, sind Orte des Dialogs für die Entwicklung einer gemeinsamen Wertebasis unverzichtbar.
Ein demokratisches Bildungsverständnis lebt von Meinungsvielfalt, denn erst dadurch entsteht die Möglichkeit, eigene Perspektiven zu hinterfragen, zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Die Förderung kritisch denkender und mündiger Bürger:innen steht daher bis heute im Mittelpunkt der Arbeit des Kärntner Bildungswerks.
Genau vor diesem Hintergrund entstand das Projekt „EuropaWirkt! – Werte im Wortwechsel“. Unterstützt wird es vom Konsortium „Pro European Values AT“ und kofinanziert von der Europäischen Union.
Das Projekt „EuropaWirkt! – Werte im Wortwechsel“
Bereits ehrenamtlich Engagierte aus unterschiedlichen Vereinen und Initiativgruppen sowie allgemein Interessierte diskutierten im Format „Konsens unerwünscht“ (entwickelt vom ASH-Forum der Zivilgesellschaft) zum Thema „Regionales Engagement und europäische Werte“. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Frage, welche Bedeutung Werte wie Freiheit, Toleranz oder Gerechtigkeit für das eigene Engagement vor Ort beziehungsweise im Verein haben.
In den darauffolgenden Planungsworkshops setzten sich die Teilnehmer:innen unter dem Motto „Ideen entwickeln. Demokratie stärken. Menschen erreichen.“ vertiefend mit der Wertedimension des Ehrenamts auseinander. Gemeinsam planten sie dezentrale Demokratie-Brunches für den Internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember und entwickelten Slogans sowie kreative Elemente für eine Social-Media-Kampagne, um zu zeigen, wie ihr Engagement europäische Werte vor Ort lebendig macht.
Regionales Engagement und europäische Werte
Im Mai und Juni diskutierten bereits ehrenamtlich Engagierte aus unterschiedlichen Vereinen und Initiativgruppen sowie allgemein Interessierte im Format „Konsens unerwünscht“ (entwickelt vom ASH-Forum der Zivilgesellschaft) zum Thema „Regionales Engagement und europäische Werte“. Umgesetzt wurden diese Diskussionsveranstaltungen jeweils gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnern. Dabei kamen nicht nur die Teilnehmer:innen zu Wort. Zu jeder Veranstaltung waren zwei Persönlichkeiten eingeladen, die ihre Perspektiven zum Thema in kurzen Impulsen einbrachten.
KARL HREN, Direktor des Hermagoras Vereins/Mohorjeva družba, ging darauf ein, wie Menschen schrittweise Verantwortung für ich eigenes Handeln übernahmen und ihr gesellschaftliches Umfeld aktiv mitgestalteten. Förderlich hierbei war waren unter anderem Ereignisse wie die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776), die Französische Revolution (1789 – 1799) sowie das moderne Vereinsrecht, dessen Wurzeln in den Reformen des Jahres 1848 liegen.
KLAUS SCHÖNBERGER, Univ. Prof. Dr. Klaus Schönberger an der Universität Klagenfurt, betonte, dass neben globalen Krisen wie dem Krieg in der Ukraine, Fluchtbewegungen und der Klimakrise auch eine gesellschaftliche Krise unmittelbar im Alltag spürbar sei: Hass, Gewalt und die Ablehnung grundlegender Werte des Zusammenlebens nähmen zu. Hoffnung liege jedoch im Engagement der Menschen, die durch ehrenamtliches Handeln zivilgesellschaftliche Verantwortung übernehmen und damit Demokratie aktiv gestalten. Europäische Werte dürften nicht nur abstrakt vermittelt werden, sondern müssten im täglichen Miteinander erfahrbar werden. Ob Fairness bei der Aufgabenverteilung, Toleranz im Umgang mit unterschiedlichen Meinungen oder Offenheit gegenüber Menschen verschiedener Herkunft: Demokratische und europäische Werte werden erst durch das konkrete Handeln der Menschen lebendig und wirksam.
ROMINA KOPP, Elementarpädagogin und Obfrau der Kärntner Kindermalschule, plädierte dafür, dass es Orte der Beteiligung und Begegnung brauche, damit Menschen Politik und gesellschaftliche Entwicklung aktiv mitgestalten können. Ehrenamtliches Engagement wurde dabei als wichtiger sozialer Erfahrungsraum beschrieben, in dem Verantwortung übernommen, Gemeinschaft gelebt und Gesellschaft aktiv gestaltet wird. Zwar erleben unterschiedliche Vereine und Engagementgruppen europäische und demokratische Werte auf verschiedene Weise, doch verbindet sie ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ehrenamt könne zwar nicht alle gesellschaftlichen Herausforderungen lösen, schaffe jedoch Räume für demokratischen Austausch und gegenseitiges Verständnis, die angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen von besonderer Bedeutung sind.
HANNA WIEDENIG, Vorsitzende der ARGE Volkstanz Kärnten, ging auf das inkludierende Potential des ehrenamtlichen Engagements ein: Ehrenamtliches Engagement mache die menschliche Bereitschaft sichtbar, einander zu helfen und zu unterstützen. Gerade Vereine spielen eine wichtige Rolle bei der Integration von zugewanderten Menschen, wobei Offenheit, Toleranz und ein respektvoller Umgang entscheidend seien. Durch wertschätzende Gespräche und die Bereitschaft, unterschiedliche Voraussetzungen anzunehmen, könnten vielfältige Formen der Beteiligung ermöglicht und Gemeinschaft gestärkt werden.
MARTIN KLEMENJAK, Professor für Berufs- und Erwachsenenbildung & Politische Bildung an der FH Kärnten, beschrieb Demokratie als lebendigen Prozess, der von Inklusion, unterschiedlichen Perspektiven und der Rechtsstaatlichkeit geprägt sei. Neben der Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative komme auch freien und unabhängigen Medien als „vierte Gewalt“ eine wichtige Rolle zu, da sie eine unabhängige Berichterstattung und fundierte Meinungsbildung ermöglichen. Zugleich lebe Demokratie von der aktiven Beteiligung der Bürger:innen, weshalb Ehrenamt und Vereine wichtige Räume schaffen, um Mitbestimmung, Partizipation und gesellschaftliches Mitgestalten zu fördern.
Resümee aus den Diskussionsveranstaltungen
In den Diskussionen wurde deutlich, dass freiwilliges Engagement zu den wichtigsten Säulen einer Gemeinde gehört. Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz würden wichtige Orientierungspunkte darstellen, könnten jedoch nur auf Grundlage guter Beziehungsarbeit gelebt werden. Für manche Menschen seien diese Werte nicht Voraussetzung für Engagement, sondern entstünden erst durch das Engagement selbst. Darüber hinaus wurde die Bedeutung einer offenen und respektvollen Kultur der Meinungsäußerung hervorgehoben. Um auch künftig Menschen für das Ehrenamt zu begeistern, brauche es Offenheit innerhalb der Vereine. Gerade weil in Engagementgruppen Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen und politischen Kontexten aufeinanderträfen, komme dem Wert der Toleranz besondere Bedeutung zu.
Die Impulsgeber waren sich einig, dass politische Strukturen und Systeme, die Meinungsvielfalt einschränken oder gar nicht zulassen, die Unabhängigkeit von Vereinen gefährden. Durch diese Form der Selbstermächtigung würden Werte eines demokratischen Zusammenlebens erlebbar. Freiheit bringe jedoch auch Verantwortung mit sich und erfordere klare Rahmenbedingungen sowie Grenzen. Für die Zukunft brauche es daher weiterhin eine vielfältige und unabhängige Vereinslandschaft.
Ausblick
Im September erarbeiteten einige der Teilnehmenden aus den Diskussionsveranstaltungen sowie weitere Interessierte an Elementen einer Social-Media-Kampagne sowie an der Planung von „Demokratie-Brunches“ für einen gemeinsamen Aktionstag am Samstag, den 05. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamts.
Die Kampagne wird von Ende Oktober bis Anfang Dezember auf unterschiedlichen Kanälen sichtbar sein und insbesondere Stimmen aus Vereinen und Initiativgruppen in den Mittelpunkt stellen. Einzelne Personen werden auf kreative Weise zeigen, welche Werte ihnen in ihrem ehrenamtlichen Engagement besonders wichtig sind. Wo die „Demokratie-Brunches“ stattfinden und wer sie organisiert, wird rechtzeitig im Rahmen der Kampagne bekannt gegeben.
Das Kärntner Bildungswerk begleitet die weiteren Projektaktivitäten mit dem Slogan „Ehrenamt machen wir! #DemokratieAberAuch“.
Bild (c) Kärntner Bildunsgwerk

